Warum ist Landschaft immer wieder schön?
Konkurrenzierende oder integrative Blickregimes auf Landschaft
Annemarie Bucher
ETH Zürich
1999 hat Luzius Burckhardt unter dem Titel Warum ist Landschaft schön? dargelegt, dass Landschaft nicht nur Natur, sondern ebenso Kultur ist und deshalb auch das Ergebnis eines gesellschaftlichen Gestaltungsprozesses darstellt. Dieser Kulturprozess baut auf der Landnutzung ebenso wie auf der ästhetischen Wahrnehmung auf und prägt unser wissenschaftliches Verständnis von und unser praktisches Verhältnis zur Landschaft grundlegend.
Zwar hat sich ein transdisziplinärer Zugriff auf Landschaft breiter etabliert, doch die praktizierten Blickregimes (wie wir gelernt haben zu schauen) und Landschaftsbegriffe sind oftmals noch in disziplinären Denkkonzepten verhaftet, die vom Gegensatz zwischen Natur und Kultur ausgehen. Konkrete Beispiele zeigen aber, dass naturwissenschaftliche und kulturelle Werte gleichzeitig geltend gemacht werden. Dies manifestiert sich etwa dort, wo Landschaftselemente als Rechtssubjekte anerkannt werden, deren Rechte einklagbar sind. Auch in der Neubewertung von traditionellem und indigenem Landschaftswissen wird deutlich, dass Landschaft aus einer Kultur resultiert. Dies wird deutlich im Falle des Alpengartens, der um die Wende zum 20. Jh. als Kultivierungs- und Gestaltungsform zum Schutze der Alpenflora eingeführt worden ist, der aber längst sein nationales und ästhetisches Identifikationspotential gezeigt hat. Die Geschichte des Alpengartens legt dar, dass neben dem Naturschutzgedanken repräsentative, ästhetische und ökonomische Absichten dazu geführt haben, dass die Schweizer Alpenlandschaft en miniature in Ausstellungen nachgebaut worden ist und dass Züchtungen von Edelweiss und Enzian für den Balkon heute im Supermarkt zu finden sind.
Der Beitrag untersucht verschiedene Perspektiven auf Landschaft und deren Auswirkungen auf wissenschaftliche Begriffsdiskussionen sowie auf den gesellschaftlichen Umgang mit ihr. Er fragt zudem nach Möglichkeiten einer vernetzten hybriden Beziehung zwischen Natur und Kultur und stellt ausgewählte Beispiele vor.

