FOK-SNP promotes and coordinates research projects in the Swiss National Park, in the Regional Nature Park Val Müstair and in the conservation and development zone of the Engiadina Val Müstair Biosphere Reserve.more

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Der Einfluss von Jagdbanngebieten auf die Habitatselektion des Rothirschs

Thomas Rempfler

Schweizerischer Nationalpark

Beutetierarten wie der Rothirsch (Cervus elaphus) wählen ihre Lebensräume nach ihren Anforderungen an Landschaftsmerkmale aus und passen diese Auswahl an die Anwesenheit von Raubtieren und Menschen an. Wir haben untersucht, wie Netzwerke verschiedener Schutzgebietstypen - der Schweizerische Nationalpark (SNP) ohne Jagd und mit zusätzlichen Einschränkungen der menschlichen Nutzung sowie kleinere Jagdbanngebiete (alle Typen zusammen = HBAs) - die Habitatwahl von Rothirschen im Vergleich zu ungeschützten Gebieten beeinflussen.

Wir haben die Habitatwahl von GPS-markierten Individuen aus sechs Untersuchungsgebieten in den Zentralalpen während des Tages und der Nacht, über das Jahr hinweg und speziell während der kurzen herbstlichen Jagdsaison analysiert.

Tagsüber mieden Rothirsche Lebensräume, in denen Begegnungen mit Menschen wahrscheinlich waren, d.h. sie hielten sich in dichten Baumbeständen auf, hielten grössere Abstände zu Wanderwegen ein und wählten steilere Hänge. Vor allem im Sommer und Herbst selektierten sie HBAs gegenüber ungeschützten Gebieten. In der Nacht wählten sie genau umgekehrt. Dieses tageszeitliche Muster fehlte im Untersuchungsgebiet des SNP, wo die Lebensraumwahl ohnehin weniger spezifisch war.

Daraus schliessen wir, dass Rothirsche in HBAs ihren Lebensraum weitgehend unabhängig von menschlichen Einflüssen auswählen können. Denn in allen Untersuchungsgebieten, mit Ausnahme der Region um den SNP, wurde eine kompensierende Lebensraumwahl in der Nacht aufgrund menschlicher Störungen am Tag beobachtet. Unsere Ergebnisse deuten also darauf hin, dass in vom Menschen dominierten Landschaften Netzwerke von kleinräumigen HBAs eine natürlichere Lebensraumwahl durch Wildtiere unterstützen können, insbesondere wenn zusätzliche Einschränkungen der menschlichen Nutzung auferlegt werden.