Die FOK-SNP fördert und koordiniert Forschungsprojekte im Schweizerischen Nationalpark, im Regionalen Naturpark Biosfera Val Müstair und in der Pflege- und Entwicklungszone des Biosphärenreservats Engiadina Val Müstair.mehr

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Nadig revisited

Entwicklung der Quellen von Il Fuorn im Schweizerischen Nationalpark 1934 2024

Nicola Steiner, Stefanie von Fumetti

Universität Basel

Quellen gelten allgemein als stabile Habitate, welche dem Klimawandel weniger unterliegen als andere Gewässer. Dennoch wird angenommen, dass die Wassertemperatur in alpinen Quellen, welche von Grundwasser, aber auch von Permafrost gespiesen werden, mittelfristig steigen wird. Es gibt bisher wenige Langzeit-Untersuchungen darüber, ob die Zusammensetzung der Fauna in Quellen ähnlich stabil ist wie die Umweltbedingungen. Adolf Nadig hat in den Jahren 1934-1937 vier Quellen bei Il Fuorn untersucht. Damit schuf er die Grundlage, um die von ihm untersuchten Standorte knapp 90 Jahre später wieder zu besuchen. So konnte untersucht werden, ob über einen längeren Zeitraum als 10 Jahre eine Veränderung bei den Umweltbedingungen und der Quellfauna zu beobachten ist. Dazu wurde im Sommer 2024 die Fauna der vier Quellen, die von A. Nadig untersucht worden waren, an jeweils drei Standorten beprobt. Eingesetzte Temperaturlogger sowie die Analyse der Physikochemie dienen zum Vergleich der Umweltbedingungen. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine gewisse Verschiebung in der Artenzusammensetzung stattgefunden hat. Beispielsweise trat Amphinemura standfussi, eine potenziell gefährdete, aber nicht quell-spezifische Steinfliegenart, in zwei Quellen neu auf. Auch Crenobia alpina, Plectrocnemia geniculata und Wormaldia occipitalis scheinen mittlerweile weit häufiger vorzukommen als in Nadig’s Untersuchungen. In drei von vier Quellen ist der Anteil an quelltypischen Arten gestiegen. Die Wassertemperatur der einzelnen Probestandorte ist von der Saison abhängig und scheint im Frühling in allen Quellen signifikant kälter geworden zu sein. Dies könnte auf einen kühlenden Effekt von Permafrost-Schmelzwasser zurückzuführen sein. Mit dieser Untersuchung haben wir nun die Möglichkeit, die langfristigen klimabedingten Veränderungen von natürlichen Quellgemeinschaften besser abschätzen zu können.