Die Bedeutung von «Natur-Kultur» in alltäglichen Landschaften
Annina Michel
Universität Zürich und Pädagogische Hochschule St. Gallen
In diesem Beitrag werden individuelle und gesellschaftliche Bedeutungen von Alltagslandschaften in vier regionalen Naturpärken der Schweiz untersucht. Mittels «Go-along»-Interviews im Feld, Fokusgruppendiskussionen und partizipativer Kartierungsübungen mit lokalen Akteur:innen wurde ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt. Im Zentrum dieses Ansatzes steht die Frage, wie Emotionen, Körperlichkeit und Erinnerungen Mensch-Umwelt-Beziehungen prägen und zur Bedeutungszuschreibung von Landschaften beitragen. Im Unterschied zu normativen, grobskaligen Wertekategorien ermöglicht die Analyse solcher alltäglichen Betrachtungsweisen eine differenzierte Auseinandersetzung mit individuellen Bedeutungen von Natur und Landschaft. Viele Teilnehmende beschrieben ‘Natur’ dabei nicht als abstrakte Kategorie, sondern als aktiv erfahrbare Mitakteurin – eine Verbindung von ‘natürlichen’ und ‘kulturellen’ Landschaftselementen, die im Alltag sinnstiftend wirken. In einem zweiten Schritt wurden die partizipativ kartierten «bedeutenden Orte» in der Landschaft mit Indikatoren zu Biodiversität, Ökosystemleistungen und Landschaftseigenschaften verglichen. Ziel dieser explorativen Studie ist es, natur- und sozialwissenschaftliche Perspektiven stärker zu verzahnen und so die Policy-Relevanz entsprechender Forschung zu erhöhen. Dadurch wird eine stärkere Ausrichtung von Schutzzielen an lokalen Wahrnehmungen ermöglicht, was auch die Akzeptanz und somit den Erfolg von Schutzmassnahmen steigern kann.

